Fernsehsendungen als Vorbild der nächsten Hundehalter-Generation

Es flimmert, ist bunt und zeigt spannende Dinge – das Fernsehen bannt nach wie vor Kinder jeder Altersklasse.

Warum also ist es so schlimm, Kinder Sendungen schauen zu lassen, in denen mal hier und mal dort gezwickt wird, in denen ein Hund auf den Boden gedrückt oder unschön von oben herab mit dem Körper bedroht wird?

Es ist schlimm, weil Kinder imitatives Verhalten zeigen – Kinder lernen am Modell. Kinder haben in den seltensten Fällen die Möglichkeit, sich über die gesehene Sendung auszutauschen – und wenn, wird das Bild durch die Eltern, oft unbewusst, eher gefestigt. Die schädlichen Auswirkungen von TV-Konsum auf die kognitive und soziale Entwicklung sind hinlänglich bekannt. Prof.Dr.Dr. Spitzer hat das in seinem Buch „Digitale Demenz“ hervorragend zusammengefasst.
Das, was in diesen Sendungen gezeigt wird, ist nicht die Realität, sondern ein zusammengeschnittenes, mit dramatischer Musik unterlegtes Event im Fernsehen, das suggerieren soll, wie schnell und effizient ein Hund „erzogen“ werden kann. Nirgendwo steht in dieser Sendung, dass es ein DAVOR und ein DANACH gibt, nirgendwo steht, welche Trainingsmethoden WÄHREND des Drehs angewandt und rausgeschnitten werden.

 

Für ein Kind ist das Gesehene aber real, das (kindliche) Gehirn kann nicht unterscheiden zwischen Fiktion und Realität – und dies hat weitreichende Konsequenzen, denn unsere Kinder von heute sind die Hundehalter von morgen.

Was bedeutet das?

Kindern wird von klein auf gelehrt, der Rudelchef zu sein. Ihr Herz nicht zu öffnen für diesen intuitiven Impuls, den Hund in seinen Bedürfnissen wahrzunehmen, sondern immer das Klopfen im Hinterkopf zu hören: „ Du musst der Boss sein und diese Überlegenheit körperlich zeigen, wenn nötig!“ – wird im Erwachsenenalter zu einem großen, unguten Glaubenssatz führen.

Die Auswirkungen von diesen Fernsehsendungen zeigen sich aber viel früher und bergen ein hohes Gefahrenpotential.

Wenn Kinder beginnen, ihren Hund zu „erziehen“, wie der Mann es im Fernsehen eben auch so erfolgreich vormacht, kann es schnell zu einem Beißvorfall kommen.

Warum?

Kinder können die Intensität einer „Korrektur“ oder „Strafe“ nicht adäquat regulieren und einschätzen. Dies hat zur Folge, dass der Hund sich unter Umständen massiv bedroht fühlt und mit Aggressionsverhalten reagiert. Die Kinder werden – und das zeigt leider die Erfahrung – diese Art des Umgangs mit dem Hund generalisieren und den Hund so ungewollt in eine dauerhafte Erwartungshaltung zwingen, die  mit großem Stress verbunden sein kann. Das betrifft auch das distanzlose Verhalten vom Kind zum Hund in Kuschel- oder Körperkontakt-Situationen – ein Kind, das sich auf den Hund legt und ihm so die Möglichkeit des Rückzuges nimmt in der Annahme, dass der Hund dies mag. Das ist keine schöne Grundlage für ein respekt- und liebevolles Kind-Hund-Team.

Wie kann man dem entgegensteuern? 

Es gibt viele Möglichkeiten, Kindern diese intuitive Empathie, die in ihnen steckt, zurückzugeben, indem man sie an die Hand nimmt und mit ihnen gemeinsam die Hundewelt entdeckt – mit der gleichen kindlichen Neugier und Freude. Daran kann die ganze Familie (zusammen)wachsen.
Mit den Kindern zu beobachten, wie der Hund sich verhält, gemeinsam das Beschreiben des Hundes zu üben, die „Hundesprache“ zu lernen, Kinder für die Bedürfnisse des Hundes zu sensibilisieren, sind nur einige Ansätze und Ideen.
Wenn das Kind ein Basis-Wissen erlernt hat, kann man GEMEINSAM eine solche Sendung konsumieren – aber nicht, um zu beklatschen, sondern um diese Art der Erziehung mit anderen Augen zu sehen. Sehr spannend, wie differenziert Kinder erkennen können, wenn sie einmal gelernt haben, was ein Hund braucht um sich wohl zu fühlen.

Das war einer der Gründe, warum wir uns entschlossen haben, eine Kinderbuchreihe zu schreiben ( Bd. 1 -3-6 Jahre,Bd. 2 7-11 Jahre,Bd. 3 12-99 Jahre), in denen wir zeigen, wie ein Hund sich fühlt, welche Bedürfnisse er hat und wie man ein unschlagbares Team werden kann. Körpersprache leicht erklärt, Bastelideen für Schlechtwetter-Tage, Anleitungen zu Tricks und Ausflüge in die Geschichte des Hundes machen die Bücher spannend – für Groß und Klein.

 

Vorbild und Liebe – das ist, was unsere Kinder brauchen in einer Zeit, die von Schnelllebigkeit und Hektik geprägt ist. Vorbild als Mensch, der respektvoll und wertschätzend mit dem umgeht, was er hat – der Zeit, die ihm zur Verfügung steht, dem Wissen, der Familie, den Freunden und: dem Familienmitglied Hund. Liebe als Mensch, der fühlt und Empathie jedem Lebewesen auf diesem Planeten entgegenbringt. So können wir einer besseren Welt entgegensehen und einer Generation, nicht mehr auf das schaut, was nicht funktioniert, sondern die Wert auf das Positive legt – die der Hundehalter von morgen eben.

Viel Freude beim VersteHen,StaUnen,TraiNieren und EntDecken!

Eure Aurea

 

 

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