Freud sich denn der Lorenz oder Freud er sich nicht?

Ihr werdet gemerkt haben, dass die Überschrift dieses Artikels auf den ersten Blick fehlerbehaftet ist. Dennoch wird beim Blick auf das Thema einiges schnell klarer.

Was ist denn nun mit den Trieben?

Dazu haben sich zwei Forscher vor langer Zeit ganz grosse Gedanken gemacht und diverse Theorien aufgestellt, die diese verzwickte Sache mit den Trieben erklären sollten. 
Da hätten wir zum einen Konrad Lorenz und zum anderen Sigmund Freud.

Schauen wir uns die beiden Thesen ganz kurz an und reflektieren wir, wie und ob sich das Ganze auf unsere Hunde umlegen lässt. Man hört ja schliesslich sehr häufig Begriffe wie „Schutztrieb, Jagdtrieb, Beutetrieb, Spieltrieb, Aggressionstrieb“ und ähnliches.

Doch was ist da denn nun dran?

Sigmund Freud stellte die Theorie auf, dass dem Menschen sowohl ein Lebenstrieb „Eros“, als auch ein Todestrieb „Thanatos“ inne wohnt.

Eros hält hier Thanatos in Schach und sorgt im Zusammenspiel mit ihm für menschliches Verhalten.

Ihr fragt euch jetzt wohl: „Hä!? Was!?“

Logisch. Aber was bedeutet das ?

Freud behauptet, dass Eros dafür sorgt, dass der Mensch sich selber nicht schadet, also seinem Todestrieb nachkommt, solange Eros dafür sorgt, dass Thanatos sich nach aussen gerichtet entladen kann. Die Aggression gegen anderes, Objekte oder Menschen, sorgt somit dafür, dass der Mensch sich selbst nicht schadet. Je stärker der Mensch seine Aggression jedoch unterdrückt und sie hemmt, desto stärker wird Thanatos. 
Depressionen, Selbstverletzung (heute auch unter anderem Teil des Borderline Syndroms) und sogar Suizid sollen darauf beruhen. 
Freud spricht also davon, dass man einen Trieb nicht unterdrücken, sondern eben Aggressionsverschiebung betreiben bzw seine Aggression auf andere Objekte projizieren sollte.

Dies würde prinzipiell, überspitzt dargestellt bedeuten, jeder der nicht einmal in der Woche ne Stunde gegen den Sandsack hämmert, müsste entweder zur psychischen Behandlung oder steht kurz vor der Selbsttötung.

Ich glaube ihr merkt selbst, wie hanebüchen dieser Ansatz ist.

Nun aber zu Konrad Lorenz. 
Er prägte den tollen Begriff des „psychohydraulischen Energiemodells„. 
Demnach bildet sich Aggression ständig neu. Wird die Aggression nicht von Zeit zu Zeit entladen, explodiert der Mensch förmlich. Deshalb nennt man diese These auch Dampfkesselmodell.

Jetzt frage ich mich, warum bin ich bislang noch nicht explodiert?

Weitere Theorien sprechen von Katharsiseffekten. Also dass das Ablassen der Aggression eine ausgleichende Wirkung hat. Dem stehen aber neueste Forschungen entgegen, die genau dies widerlegen. Aggression rauszulassen hat kurzzeitig einen Ausstoss von Glückshormonen zur Folge, was dazu führt dass sich der Mensch besser fühlt. Der Mensch verstärkt sein aggressives Verhalten also positiv, was dann wieder laut Skinner zu einer erhöhten Auftretenswahrscheinlichkeit führt. Also ist auch dies ein Irrglaube.

Doch was ist nun mit den Trieben?

Es gibt keine Triebe in Form der oben genannten!

Schutztrieb würde bedeuten, der Hund sei getrieben davor zu beschützen! 
Nein, der Hund reagiert auf einen äusseren Einfluss. Ohne diesen Einfluss schützt der Hund nicht. Somit ist es kein Trieb, sondern basiert eher auf einer intrinsischen Motivation, die von einer extrinsischen ausgelöst wird. Das Wort Trieb ist hier also falsch!

Das gleiche gilt auch für den Jagdtrieb. Ohne extrinsische Motivation, nämlich der Witterung, der Fährte, dem sichtbaren und hetzbaren Wild, auch kein Jagdverhalten. Das widerspricht dem Triebmodell so derart, dass man es eigentlich gar nicht erwähnen bräuchte.

Alles was auf diversen Hundesportplätzen als Trieb verkauft wird, dient rein der Rechtfertigung des eigenen Handelns und des eigenen Daseins. Mit fundiertem Wissen hat dies rein gar nichts zu tun.

Ich würde mir wünschen, dass die Menschen einfach ehrlicher sind, anstatt ständig irgendwelche Triebe zu erfinden um sich ein gutes Gewissen einzureden.

Keine Angst, ein Mali wird nicht zur reissenden Bestie, wenn er nicht mehrmals wochentlich den Beissarmträger quer durch den Hundeplatz schleift. Auch ein linkslastiger (was eigentlich auch wieder etwas für die Tonne ist) nicht ;). 
Man versucht hier lediglich Aggressionsverhalten kontrollierbar zu machen, welches der Hund ohne diese Kontrollversuche gar nicht zeigen würde. Milchmädchen lässt grüssen.

Wäre das menschliche Ego ein Planet, es würde reichen, die Sonne komplett zu verdunkeln.

Andi

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