Gehorsam sein ist nicht schwer, gehorsam bleiben dagegen sehr…

Ich möchte gern meine Gedanken mit euch teilen zu einem Thema, welches mich schon seit einiger Zeit bewegt. Gehorsam(keit). 

Immer wieder passiert es, dass ich mit meinem  2 jährigen Labrador Charly diskutieren muss, ob er denn nun seine  Autonomiebestrebungen in Griff bekommt oder ob ich ihm dabei helfen soll. Wie das aussieht? Nun ja: ich rufe ihn – und manchmal, tja, da passiert es, dass der Herr etwas länger braucht, um meiner Aufforderung Folge zu leisten. Es gibt Menschen, die sagen: „ Dein Hund hört ja überhaupt nicht!“ 

Doch, tut er. Interessiert ihn in diesem Moment nur nicht. „Er benötigt Raum, um sich zu finden!„ sage ich dann mit einer weitausholenden Geste, um der Szene einen gewissen dramatischen Tenor zu verleihen und ernte Blicke, die mich, wenn ich sie recht interpretiere, entsetzt bis verachtend quasi in die Untiefen der  jeweiligen geografischen Beschaffenheiten befördern möchten.  

Ich habe keinen Nerv mehr zu diskutieren, warum mein Hund in den Augen anderer unerzogen ist. Warum er eben manchmal nicht auf’s Wort hört oder nicht ordentlich bei Fuss läuft. Da frage ich mich immer, was erwarten denn die Menschen? Roboter? Kuscheltiere, die auf Knopfdruck reagieren?  

Was ist denn Gehorsam?  Gehorsam bedeutet, seine eigenen Bedürfnisse sofort, gleich welcher Art, zurückzustellen, um einem Befehl/ Auftrag Folge leisten zu können. Andernfalls ist es Ungehorsam. Und Ungehorsam wird bestraft. Ich bugsiere meinen Hund also mit dem Anspruch, dass er gehorsam sein muss, automatisch in eine T – Kreuzung. Friss oder stirb. Höre mir oder es gibt Stress.

Versteht mich nicht falsch. Ich finde es extrem wichtig, dass ein Hund die Grundsignale sicher beherrscht. Sonst ist ein harmonisches Miteinander schwer möglich. Mir missfällt nur der Gedanke, dass ich den Anspruch habe, dass er es können MUSS! 

Ne, muss er nicht. Wir können dankbar sein, dass er so freundlich ist und uns den Gefallen tut, von dem abzulassen, was er gerade tut, um zu uns zu kommen oder eine Übung auszuführen.

Kein Schwein ist seinem Hund dankbar, dass er einfach hört. Aber undankbar, wenn er er nicht hört.

Ich kenne Menschen, denen es wahnsinnig Spaß macht, ihre Hunde so zu trainieren, das sie immer und überall „ hörig“ sind. Das kann man auch wunderbar machen. Ich bin dafür schlichtweg zu faul. Aber ich kann mit dem, was wir uns aufgebaut haben an Signalen auch prima leben. 

 

Am Ende ist der Gehorsam des Hundes also etwas, was vom Menschen ausgeht, nicht vom Hund. Dann sollte der Mensch aber vielleicht auch nicht nur fordernd sein, sondern auch dankbar für das, was unser Freund uns schenkt – und wenn es „ nur“  80 Prozent sind. Die restlichen 20 Prozent stelle ich mich eben als Idiotin auf den Platz, als diejenige, die ihren Hund nicht unter Kontrolle hat. Stimmt, hab ich nicht, will ich auch nicht. `Unter Kontrolle` würde nämlich bedeuten, dass ich ihn seines Wesens beraube, damit ich ihn kontrollierbar mache. Ich mache mir damit keine Freunde, aber ich habe lieber einen nach außen unerzogenen Hund, der für mich perfekt ist, als einen nach außen perfekten Hund, den ich als  felligen Roboter auf vier Beinen wahrnehme. 

Aurea 

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