Heiteitei und Gutzigutzi

„Bei gewissen Hunden kommst du eben mit Heititei nicht weiter!“
„Deine Gutzigutzi Erziehung möchte ich mal bei einem Stafford sehen!“
„Mein Hund war so schwierig, da hätte kein Heititei was geholfen!“
Sehr oft begegnen uns diese oder so ähnliche Sätze. Jedes mal, wenn ich wieder einen solchen Satz lese frage ich mich: 
„Wer sind eigentlich dieser Heititei und Gutzigutzi?“
Ich kenne wirklich viele Hundetrainer, möchte sogar sagen, dass ich verdammt viele Hundetrainer kenne. Aber diese beiden Namen kenne ich trotzdem nicht. Internetrecherchen nach der Hundeschule Heititei von Frau Gutzigutzi blieben bis zum heutigen Tage ohne Treffer. 
Man kann mir nicht nachsagen, ich wäre nicht bemüht. Auch Anfragen an diverse Experten der Hundeszene blieben diesbezüglich erfolglos. Allerdings wurde mir im Verlaufe meiner Ermittlungen durch einen anonymen Mitteiler der Verdacht übermittelt, es könnte sich um eine Erziehungsmethode handeln. 
Als ich tiefer eintauchte und diesen Aussagen nachging, schaffte ich es zu ermitteln, dass diese beiden Begriffe wohl ein Synonym für das gewaltfreie Erziehen über positive Verstärkung seien. 
Ok, dann war also mein nächster Schritt, das eine Synonym gegen das andere zu tauschen.
„Bei gewissen Hunden kommst du eben mit gewaltfreier Erziehung über positive Verstärkung nicht weiter!“
„Deine gewaltfreie Erziehung über positive Verstärkung möchte ich mal bei einem Stafford sehen!“
„Mein Hund war so schwierig, da hätte keine gewaltfreier Erziehung über positive Verstärkung was geholfen!“
Really?! Ich verstehe zwar nun, was diese Menschen auszudrücken versuchen, möchte aber kurz darlegen, warum diese Sätze ein Zeichen dafür sind, dass sich der Sprecher dieser Zitate in die eigene Tasche lügt. 
Ich erkläre das schlicht und einfach über das Lernverhalten. Wir haben da auf der einen Seite die „konsequente Erziehung mit der harten Hand“ und die verpöhnte, angeblich nicht funktionierende, gewaltfreie Erziehung über positive Verstärkung. 
Man kann das Lernen, das mit diesen Begriffen beschrieben wird, ganz kurz und knackig als operante Konditionierung subsumieren. 
Diese hat vier Quadranten:
1. positive Strafe (die harte Hand)
2. negative Strafe
3. positive Verstärkung (Heititei)
4. negative Verstärkung 
Jeder einzelne dieser Quadranten funktioniert nachgewiesener Weise in seinem Bereich. Das kann niemand abstreiten. 
Warum sollte also nun plötzlich, nur weil der Hund ein Stafford, Kangal oder Rottweiler ist, einer der Quadranten unwirksam sein? 
Das wäre ja, als würde man sagen:
„Ja klar, deinen BMW kannst schon mit dem Heititei Super Benzin fahren. Bei meinem Mercedes funktionert das nicht!“
Mal angenommen,  beide haben einen Ottomotor, ist diese Aussage Schwachsinn, soweit werdet ihr mir zustimmen. 
Bei Hunden und im Lernverhalten gibt es aber keine Dieselmotoren. Jedes Säugetiergehirn funktioniert auf dem Sektor des Lernverhaltens identisch. 
Also funktionert Heititei auch bei jedem Hund, bei jedem Verhalten. 

Glaubt ihr nicht?
Ich hatte mit einem Hund zu tun, der die Wände anfraß. Ständig und immer wenn er vom Spazierengehen kam und sich zur Ruhe legen wollte. 
Jetzt haben wir zwei Möglichkeiten.


1. Jedes Mal, wenn der Hund an die Wand geht bekommt er eine Strafe. Einen Knuff, einen Schreckreiz etc. Das Verhalten wird gehemmt.


2. Ich schaue, was die Ursache ist. In diesem Fall völlige Überforderung des jungen Hundes durch intensive Ausdauerbelastung beim Spazierengehen. Das sogenannte, „der Hund ist aber ausgelastet, ich verstehe das nicht!“. Also schraube ich an der Gassizeit und optimiere die Belastungs und Ruhezeiten. Alles ohne mit den Hund auch nur einmal zu trainieren. Ergebnis?
Das Stresslevel sinkt, der Hund lässt die Wand in Ruhe.

Was wäre das Ergebnis bei Lösung Eins gewesen? 
Der Hund zeigt das Verhalten nicht mehr, da gehemmt. Aber denkt ihr der Stresslevel und damit das Wohlbefinden des Hundes haben sich verändert? Nein! 
Der Hund wird sich über kurz oder lang ein anderes Ventil suchen, um seinen Stress zu verarbeiten.

Die Frage ist aber nun, warum funktioniert es dann bei denjenigen nicht ? 
Der Computerfachmann spricht hier gerne von Anwenderfehlern. Diese hier sind tief verwurzelte Denkfehler und eine fehlerhafte Herangehensweise. 
Sie sehen ein Verhalten und wollen das Verhalten abstellen. Somit kommen Sie zwangsläufig auf eine Verhaltenshemmung und somit auf den Quadranten positiv Strafe. 
Das funktioniert. Ganz klar, das bestreite ich nicht. Nur ist es nicht das, was ich für meine Hunde möchte. Ich möchte meinen Hund nicht hemmen oder unterdrücken. 
Also denke ich anders. Ich sehe das Verhalten und finde heraus, was die Ursache des Verhaltens ist. Dann mache ich mir Gedanken, wie ich an der Ursache arbeiten kann. Sehr oft sind es Änderungen, sogar nur kleine Änderungen, die nicht einmal Training bedürfen, um bei dem Hund eine Verhaltensänderung herbeizuführen. 
So ist das auch bei den so beliebt angeführten Beispielen der hochaggressiven Hunde. Will ich das aggressive Verhalten hemmen und somit nur einen Deckel auf den überkochenden Milchtopf legen? 
Oder wollen wir die Ursache für die Aggression finden und eventuell sogar ohne Training beseitigen, weil der Hund vielleicht Schmerzen hat und deshalb aggressiv reagiert. Tierarztbesuch statt Verhaltenshemmung erledigt das Problem. Und selbst wenn etwas anderes die Ursache ist, der Hund keine Schmerzen hat, kann man problemlos auch hier über positives Verstärken eine entsprechende nachhaltige Verhaltensänderung herbeiführen. 
Trainer, die dies tagtäglich schaffen, gibt es wie Sand am Meer. Aber sie werden leider Gottes noch viel zu oft von Leuten, die nachweislich das Lernverhalten von Hunden nicht einmal im Ansatz verstanden haben, belächelt. Warum ist das so? 
Ehrlich gesagt: Mir ist das vollkommen egal. 
Ich lasse mir gerne sagen, dass ich mit meinem Heititei nicht weiterkomme. Ich habe aber auch schon oft angeboten, dass ich jederzeit bereit bin, mit dem Hund zu arbeiten, um das Gegenteil zu beweisen. 
Alleine diese Aussage und die Möglichkeit für den Zweifler „was mach ich dann wenn Heititei doch funktioniert“ , reicht bereits aus, um sie verstummen zu lassen. 
Zum Abschluss hätte ich eine Bitte. 
Solange wir Gewaltfreien nicht behaupten, eure miese Straferei und Korrigiererei funktioniert nicht (werdet ihr niemals hören, weil wir wissen, dass dieser „Dreck“ funktioniert), so lange haltet ihr entweder den Rand oder bildet euch weiter. 
Denn dann wüsstet ihr, dass Heititei sehr wohl und mindestens genauso schnell funktioniert. 
„Und bist du nicht willig, so brauch ich Gewalt“, sollte endlich und ein für allemal der Vergangenheit angehören. 
In diesem Sinne, 
fröhliches Heititei. 
Andi
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