Klassische Konditionierung Teil 1

Im Laufe meiner hundlichen Ausbildung begegnete mir das große K- Wort . Groß, weil darum oft ein riesiges Galama gemacht wird. Die einen sagen: „ Erziehen hat nichts mit Konditionierung zu tun“, die anderen:

„ Erziehung IST Konditionierung“ .

Und ich stehe als Neuling da, mit einem großen Fragezeichen auf der Stirn. Deswegen habe ich mich mit den unterschiedlichen Facetten des K-Wortes auseinandergesetzt.

Was bei rausgekommen ist? Lest selbst!

Teil 1

Die klassische Konditionierung

Die Klassische Konditionierung setzen wir bewusst und unbewusst in allen Lebenslagen ein. Beginnend mit dem Fötus im Mutterleib, dem in wissenschaftlichen Studien eine bestimmte Musikfrequenz vorgespielt wurde, auf die er nach mehrmaligem Abspielen sowohl im Bauch, als auch nach der Geburt deutlich reagierte, über die Werbung (man denke an Zigarettenwerbung, in der ein Wohlgefühl mit der Benutzung einer Zigarette suggeriert wird),bis hin zu Angstgefühlen, ausgelöst durch eine bestimmte Situation. All das sind konditionierte Vorgänge. Die klassische Konditionierung ist also eine Grundform des Lernens.

I. Pawlow war derjenige, der 1905 auf den Hund kam und entdeckte, wie diese funktioniert. Den Aufbau und die Erklärung findet ihr hier: Pawlowscher Hund

Aus welchen Bausteinen besteht sie?

Unkonditionierte Reaktion / Reflexe

Reflexe erfolgen als Reaktion auf einen speziellen Stimulus und weisen eine biologische Relevanz auf, wie z. Bsp. der Augenaufschlag oder die Pupillenkontraktion bei Lichteinfall. Oder in der Humanmedizin, wenn Herr Doktor die Reflexe testet und sein Hämmerchen schwingt, um es unterhalb der Kniescheibe wieder aufkommen zulassen. Die danach erfolgte Reaktion, also das Hochgehen des Beines, nennt man Patellarsehnenreflex und ist ebenfalls angeboren und nicht kontrollierbar. Der Reflex ist also die Verknüpfung zwischen Reiz und Reaktion.

Natürlicher Reiz

Beispiel für natürliche Reize sind z. Bsp.:

Licht (woraufhin die Pupillenkontraktion stattfindet-> Unkonditionierte Reaktion)

Futter ( woraufhin das Speicheln beginnt)

Müdigkeit (woraufhin das Einschlafen folgt)

Neutraler Reiz

Der neutrale Reiz wird kontextunabhängig gesehen. D.h. wie in Pawlows Experiment der Glockenton, kann er völlig aus dem Zusammenhang gerissen sein. Erst gekoppelt mit dem unkonditionierten Reiz, erhält er eine kontextabhängige Bedeutung.

Konditionierter Reiz

Aus dem ehemals neutralen Reiz ist durch die Konditionierung, also den Lernprozess, ein konditionierter Reiz entstanden.

Konditionierte Reaktion

Wird dieser nun konditionierte Reiz dem Hund oder Mensch in einem anderen Kontext dargeboten, reagiert dieser mit der ursprünglich unkonditionierten Reaktion, die aber, weil sie ja nun erlernt ist, auch in anderen Räumlichkeiten oder Situationen erfolgen kann. Deswegen spricht man von einer konditionierten Reaktion

Um es zu verdeutlichen ein Beispiel:

Eine Frau geht regelmäßig in einem Hallenbad Schwimmen, neben der Schwimmbahn befindet sich Radio, in dem immer das gleiche Lied (neutraler Reiz) „ Swimming „ von BreatheOwl Breathe läuft…wenn sie in das kalte Wasser ( natürlicher Reiz) steigt, bekommt sie Gänsehaut ( unkonditionierte Reaktion). Einige Tage später läuft eben dieses Lied ( neutraler Reiz) im Radio, als sie im Auto sitzt, der Körper reagiert auf dieses Lied mit Gänsehaut (ehem. unkonditionierteReaktion). Die Konditionierung war erfolgreich.

Lied: neutraler Reiz -> konditionierter Reiz

Gänsehaut: unkonditionierte Reaktion -> erlernte, konditionierte Reaktion

Unsere Eltern haben uns, als wir Kinder waren, abends oft eine Geschichte erzählt. Durch das Zuhören der gleichmäßigen Stimme(natürlicher Reiz/Stimulus) überkam mich die Müdigkeit und ich schlief ein. Wenn nun in der Schule der Lehrer begann, Geschichten zu lesen(neutraler Stimulus) oder vielmehr überhaupt zu lesen, ratet mal, was mit mir passierte…. Genau ich wurde hundemüde! Ich verknüpfte also unbewusst das Erzählen einer Geschichte mit einem sehr entspannten Zustand.

Das gleiche in grün ist beim Hund das Entspannungssignal, welches im entspannten Zustand mit einem Wort, Duft oder Geräusch verknüpft wird. Während das beim Hund ein wunderbares Hilfsmittel sein kann, war das in meinem Fall sehr kontraproduktiv, weil ich mit 10 Jahren weder Kaffee noch Cola zur Verfügung hatte;)

Ob Hund oder Mensch, keiner ist vor dem K Wort sicher! Was bedeutet für mich diese Erkenntnis? Naja, im Grunde ändert sich nicht wirklich viel, bis auf die Tatsache vielleicht, dass ich nun weiß, was es mit dem K- Wort auf sich hat und sich das ganze Theater darum überhaupt nicht lohnt! Am Ende ist es nämlich nur ein Wort, welches dem einen Rahmen gibt, was wir täglich (er)leben!

Aurea

%d Bloggern gefällt das: