Kognitive Dissonanz – Oder warum es so schwer ist, seine Meinung zu ändern

Ihr werdet euch jetzt erst einmal denken, was denn kognitive Dissonanz überhaupt bedeutet. 
Um euch das greifbar zu machen, möchte ich in diesem Artikel mit Beispielen arbeiten. 

Was ist kognitive Dissonanz?

Dabei handelt es sich um einen negativen Gefühlszustand, der auftritt, wenn wir nicht vereinbare Gedanken, Meinungen, Wünsche oder Ansichten haben. 

Hier möchte ich auch schon das erste Beispiel bringen. 

1. ihr kauft euch eine neue Kamera. Nachdem ihr die Kamera gekauft habt, lest ihr nun eine Test, oder auch andere Informationen, die besagen, dass die Kamera nicht gut ist. 
2. Ihr kauft euch ein Auto. Nachdem ihr das Auto gekauft habt, lest ihr einen Test, in dem das Auto sehr schlecht abgeschnitten hat. 

Ihr werdet versuchen, die Kaufentscheidung zu rechtfertigen, um damit eure negativen Gefühle abzumildern, oder nicht weiter aufkommen zu lassen. 

Und nun mal auf das Beispiel Hund umgelegt:
Ich habe eine Hund, jeder liebt seinen Hund, soviel ist klar. Jeder will nur das Beste für seinen Hund. Und da sind wir schon am Beginn des Dilemmas. Ihr lernt eurem Hund die Leinenführung über Leinenrucken, vielleicht hat euch das auch irgendwann mal jemand so gelernt. Vielleicht erzieht ihr eure Hunde auch schon sehr lange so. 
Nun kommen Tierärzte, Kynologen und Trainer, die sagen und mit Studien belegen, dass sowohl das Halsband bei einem nicht leinenführigen Hund, als auch der Leinenruck massive gesundheitliche Folgen für den Hund haben. 

Ein weiteres Beispiel: 
Ihr erklärt euch, seit ihr Hunde habt, ihr Verhalten über die Dominanztheorie.Denkt, ihr müsstest den Hund ständig klein halten und erzieht ihn über Rangreduktionsmassnahmen, spritzt ihn mit Wasser an, dreht ihn auf den Rücken, trainiert ihn mit Stachelhalsband, Würger, etc, etc. 
Und nun kommen da Leute, die euch erzählen, dass diese Methoden schon lange überholt, widerlegt und in keiner Weise nötig sind. Sie erzählen euch vielleicht sogar, dass das was ihr mit eueren Hunden, die ihr so liebt, da so anstellt sogar gegen das Tierschutzgesetz ist und ihr somit Tierquäler. 
Kein tolles  Gefühl, stimmts? 

Was denkt ihr nun, was fühlt ihr?

Hier kommt die Theorie der kognitiven Dissonanz zum Tragen. 

Ihr werdet nun automtisch versuchen euer inneres Ungleichgewicht auszugleichen. 

Hierzu gibt es nach dieser psychologischen Theorie drei Möglichkeiten, um damit umzugehen. Diese nennt Dissonanzreduktion. 

1.  Vermeidung von kognitiver Dissonanz durch Nichtwahrnehmung oder Leugnen von Informationen; (DR1) 

Um das Beispiel mit den Hunden aufzugreifen, werden hier einfach Informationen, die von denen kommen die euch widersprechen, einfach nicht wahrgenommen oder geleugnet. 
„Ach, was weisst du denn schon?“
„Du kennst dich doch nicht aus“
„Ich habe seit 30 Jahren Hunde“

2. Änderung von Einstellungen oder Verhalten  (DR2)

Das wäre das wohl Wünschenswerteste. Man ändert seine Einstellung, und somit auch sein Verhalten. Man sieht ein, dass man seinen Hunden tatsächlich schlechtes zufügt und verändert somit sein Verhalten. 

3. selektive Beschaffung und Interpretation dissonanzreduzierender Informationen (DR3)

Auch das ist beim Thema Hund ein ganz bedeutender Faktor. Man wird dann plötzlich mit Artikeln und Studien konfrontiert, die bereits widerlegt sind und weit über 10-15 Jahre alt. Man kommt mit Aussagen aus dem Jahr 1921 und sucht gezielt nach Aussagen von Leuten, die einem nach dem Mund reden, oder Aussagen treffen, die seiner Meinung entsprechen. 

Hier kommt auch die durch die Dissonanz hervorgerufene selektive, oder verzerrte Wahrnehmung zum Tragen. 
„Meinen Hunden geht es gut, die haben keine Angst vor mir!“ 

Ein grosses Phänomen und gutes Klientel um diese psychologjschen Prozesse zu beobachten sind Cesar Millan Fans. 

„Ich habe noch nie gesehen, dass er Hunde tritt, oder Stachel, Elektrohalsbänder verwendet“  (DR1)

„Er rettet doch aber Hunde“ (DR3) 

„Bei diesen Hunden geht es halt nicht anders“ (DR3)

Jede einzelne Aussage der Millanfans lässt sich über die Ansätze der versuchten Dissonanzreduktion erklären. 

Da werden sogar Gerichtsurteile, die Herrn Millan bescheinigen, dass er Hunde misshandelt, als nicht vorhanden geleugnet, oder die Richter der Lüge bezichtigt. 

Auch das gezielte verkürzen von Zitaten, z. B. einer Karen Pryor, wird verwendet, um sich die Welt so zu machen, wie sie einem selbst am Besten gefällt. 

Die anderen werden als Wattebauschwerfer abgetan und damit wird dann gemeinsam in der Gruppe einander gestützt, um die eigene Dissonanz zu minimieren. 

Nun fragt ihr euch sicher, warum wir Wattebauschwerfer dann nicht von diesem Prozess in der Hundeerziehung betroffen sind. 
Es könnte doch auch für uns zutreffen, wenn wir unsere Methoden gegen die aversiven Methoden abwägen. 

Nein! Denn unsereins, hat bereits den Prozess der Einstellungs- und Verhaltensänderunh durchlaufen. 

Ich habe früher aversiv trainiert. Ich habe meine Hunde an der Leine geruckt, sie auf den Rücken geworfen, sie gezwickt und „gestupst“, ganz genau so wie Herr Millan das auch macht. Und auch ich war immer der Meinung, dass es meinen Hunden nichts ausmacht und es ihnen gut geht. 
Dies glaubte ich so lange, bis ich aufgrund von Fort- und Weiterbildungen zum ersten Mal diese kognitive Dissonanz durchlebte. 
Ich begann zu reflektieren und meinen Hund gezielter und nicht verzerrt wahrzunehmen. 
Ich erkannte plötzlich die Körpersprache, die mein Hund mir gegenüber zeigte und begann umzudenken. 

Heute weiss ich, dass so eine Behandlung weder ein Hund braucht, geschweige denn verdient hätte. 

Ich habe also auch diesen Prozeß durchlaufen und meine Erkenntnisse daraus gezogen. 

Das Leben ist ein ständiger Lernprozeß, wir sollten diesen annehmen und uns nicht durch DR1 und 3 selbst im Wege stehen, nur um an alten Zöpfen festzuhalten. 

Sicher gibt es genug Millanfans, die bereits so eingefahren sind, und die beim geringsten negativen Wort über den Meister sofort in ihr Schneckenhaus zurückkriechen, um uns mit immer den selben Argumenten zu bombardieren und immer den selben alten Artikeln zu überhäufen. 

Um kognitive Dissonanz als für einen persönlich fördernd zu nutzen, muss man gewisse kognitive Fähigkeiten besitzen um sich selbst und sein Handeln neutral zu reflektieren. 
Wenn diese Fähigkeiten nicht vorhanden sind, kann auch nicht reflektiert werden.
Andi

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