Konsequenzen

Ein vielfach zu lesendes Argument gegen die positive Hundeerziehung ist der Punkt „Konsequenzen“.

Hunde müssen Regeln lernen und bei Nichteinhaltung auch Konsequenzen erfahren.

Doch ist das wirklich so? Ist dies ein Totschlagargument gegen die positive und gewaltfreie Hundeerziehung?

Dazu denke ich sollten wir doch erst einmal definieren was Konsequenzen überhaupt sind.

Der Duden beschreibt drei Bedeutungen für dieses Wort.

1. Folgerichtigkeit, Schlüssigkeit
2. Unbeirrbarkeit, Entschlossenheit
3. Folge, Auswirkung

Was ist nun eine Konsequenz?
Wenn wir uns die Wortdefinitionen ansehen, bemerken wir, dass es weder eine positive, noch negative Behaftung gibt. Es ist also gar nicht gesagt, dass eine Konsequenz automatisch negativ sein muss.

Ich möchte es mal anhand einiger Beispiele erklären.

1. Der Hund neigt dazu Besuch anzuspringen. Dies ist natürlich ein Regelverstoß und sollte zu einer Konsequenz führen. Also wird dazu geraten das Knie anzuziehen und es dem Hund vor die Brust zu rammen. So hat der Hund eine Konsequenz, also eine Folge für sein Verhalten bekommen.

Doch ist das überhaupt erforderlich?

Wenn wir anstatt dessen dem Hund ein Alternativverhalten für das Anspringen beibringen? Also Mensch kommt herein, Hund apportiert ein Spielzeug, oder legt sich auf seinen Platz. Dafür wird der Hund nun belohnt.
Der Hund erfährt als Folge für sein positives Verhalten eine Belohnung. Ergo, eine Konsequenz.

2. Der Hund stürmt auf andere Hunde zu und zerrt dabei wie wild an der Leine. Welche Konsequenz wäre sinnvoll? Ein kräftiges Rucken an der Leine und ein Kick in die Weichteile als Konsequenz? Oder vielleicht sinnvoller dem Hund zeigen wie er sich stattdessen Verhalten soll, Ruhe in die Situation bringen, Distanz schaffen und das ruhige Verhalten mit positiver Konsequenz belohnen?

3. Der Hund bellt wenn es klingelt. Welche Konsequenz ist hier zielführend? Ein Sprayhalsband, das dem Hund jedesmal wenn er bellt einen unangenehmen Sprühstoss ins Gesicht sprüht? Oder eine Flasche mit Schrauben die man ihm zwischen die Beine wirft und ihm somit Angst einjagt? Oder wäre es sinnvoller dem Hund das Klingeln positiv zu belegen und als Auslösesignal für ein Alternativverhalten zb das Aufsuchen seines Hundedeckchens aufzubauen und hierfür eine angenehme Konsequenz folgen zu lassen.

Haben wir denn nun, wo wir dem Hund die Beachtung einer Regel beigebracht haben ohne ihn körperlich zu strafen, keine Grenzen gesetzt oder auf Konsequenzen verzichtet ?
Nein, wir haben nur für den Hund faire und angenehme Konsequenzen gewählt, was übrigens dazu führt, dass sich der Hund konsequent an die Regeln hält.

Was ist der Lerneffekt? Soll mein Hund meine Gegenwart damit verbinden dass jeden Moment etwas blödes passieren kann? Oder soll er meine Anwesenheit als angenehm empfinden und mit Freude und Motivation mit mir arbeiten?

Muss also eine Konsequenz immer etwas negatives sein?
In den Augen vieler ist eine Konsequenz etwas negatives. Aber wir positiven und gewaltfreien Hundeerzieher sehen das eben anders.
Man kann dem Hund Regeln vermitteln und Verhalten mittels positiven Konsequenzen festigen und absichern. Wie die erste Bedeutung des Wortes oben schon angeführt wurde, heisst es auch Schlüssigkeit. Hunde können aber dieses wilde Rumgestrafe und die Maßregelungen nicht mit ihrem Verhalten verknüpfen.  Wer sich schon einmal näher mit dem Lernverhalten auseinandergesetzt hat, weiß das. Was ist also daran Schlüssigkeit? Konsequent ist anders.

Auch muss ich immer wieder feststellen, dass gerne diverse Kynologen zitiert werden, die sagen dass Abbruchsignale auch nötig sind. Deshalb werden dann gewaltsame Methoden von gewissen TV Hundeerziehern wie schlagen oder treten, die zweifelsohne tierschutzrelevant sind als solche Abbruchsignale gerechtfertigt und die gewaltfreie Erziehung gleich noch mit „Antiautoritäre Erziehung hat noch nie funktioniert“ abgetan.

Dabei zerlegen sich diese Argumente doch von ganz alleine.
Warum sind eigentlich die, die am lautesten rufen „es gibt halt nicht nur schwarz und weiß“, die monochromsten Zeitgenossen?
Zwischen autoritär und antiautoritär gibts noch ganz viele andere Dinge.

Ich bezeichne mich z.Bsp. als weder noch.

Meine Hunde haben Regeln, an die halten sie sich. Denn das war meine Aufgabe ihnen das beizubringen. Gewaltfrei und positiv.
Wenn sie mal über die Stränge schlagen, dann habe ich auch ein Abbruchsignal, das ich aber ebenso trainiert habe. Mittels Geschirrgriff, ebenso ohne Zwang und Druck und erst recht ohne den Hund körperlich zu massregeln.

Wir leben nicht in einer Anarchie und auch nicht in einer Demokratie. Wir sind keine Staatsform. Wir sind eine soziale Gruppe und deshalb gelten in unserer Gruppe die selben Abläufe wie in jeder Gruppe um ein friedliches Funktionieren zu gewährleisten.

Lasst die Worte Konsequenzen, Regeln, keine antiautoritäre Erziehung und Abbruchsignale nicht zu Rechtfertigungen dafür werden, dass ihr an eueren Hunden Gewalt anwendet.
Ihr habt es selber in der Hand all diese Worte positiv zu belegen und mit euerem Hund konsequent Spaß zu haben. Konsequent ehrlich sein ist doch viel konsequenter als konsequent nach irgendwelchen Ausreden zu suchen um das eigene inkonsequente Handeln zu „verkonsequentisieren“.

In diesem Sinne

konsequente Grüsse

Andi

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