Wenn der Hund alt wird

Unser heutiger Blogbeitrag ist mal ein klein wenig anders.

Es gibt Welpengruppen, Junghundegruppen, diverse Gruppen sind bezogen auf Welpenfragen und süssen Welpenfotos, quasi Seniorenfrei. 
Senioren haben ihre Erziehung bereits durchlaufen. 
Fragen wie:

„Der zieht wie irre an der Leine“, 
„Der kaut alles an“,
„Der pinkelt immernoch rein“ oder ähnliche finden wir bei Senioren nicht mehr. Stattdessen sind es oft medizinische Fragen, die drücken. 
„Er hat da einen kleinen Knubbel. Tumor?!“
Ok, ich geb zu dass die „Reinpinkelfrage“ durchaus auch bei Senioren auftreten könnte. 
Aber worauf will ich denn überhaupt hinaus?

Wenn ich mir alles immer so betrachte, dann denke ich mir oft, dass sich über die Bedürfnisse von Welpen und Junghunden der Kopf zerbrochen wird, sobald die Erziehung aber so weit abgeschlossen ist, dass man als Mensch keine merkbaren „Probleme“ mehr hat, hört dieses bedürfnisorientierte Denken oftmals auf. 
„Was passiert eigentlich, wenn ein Hund alt wird“,
„Was geht in seinem Kopf vor“,
„Können Hunde dement werden und wie kann ich sie unterstützen“,
„Wie helfe ich meinem Hund, wenn er blind und taub wird, wenn die Gelenke schmerzen oder der Rücken weh tut“.

All das sind Fragen die mir persönlich auch durch den Kopf gingen.

Ich verstehe warum man bei Welpen viel fragt. Sie stellen viel an, viele sind Ersthundebesitzer und hatten noch nie einen Welpen. Doch wieviele hatten denn schon einen Senior zuhause? 
Auch das ist eben irgendwann einmal Premiere.

Unsere Senioren werden mit uns älter, lernen uns in diesen 8-x Jahren in denen sie uns begleiten wohl besser kennen als wir selber das von uns geschafft haben. Sie wissen ganz genau wie wir drauf sind, wenn wir in der Früh den ersten Fuss auf den Boden setzen. Sie wissen wenn wir fröhlich sind, auch wenn wir traurig sind. Im Gegensatz zu anderen Menschen können wir unseren Senioren kein X für ein O verkaufen.

Sie kennen uns besser als jeder andere.

Ich möchte hier keine Fragen zu Demenz, Blindheit, Taubheit oder Spondylose und dergleichen beantworten. Das ist nicht die Aufgabe eines Blogs.

Was ich aber möchte ist, den Blick und die Wahrnehmung für unsere Senioren und DEREN Probleme zu schärfen. Wenn ich zumindest ein paar Leser dazu bewegen kann zu reflektieren ob man den aktuellen Bedürfnissen des Senioren gerecht wird, oder ihm vielleicht durch ein paar klitzekleine Umstellungen das Leben etwas angenehmer machen kann, dann ist der Sinn dieses Artikels bereits erreicht.

Ich zum Beispiel habe gemerkt, dass mein Senior sich im hohen Alter von 16 Jahren an einer Leine wohler fühlt als im Freilauf. Wie hab ich das gemerkt? Eigentlich ganz einfach. Wenn ich ihn mit einer längeren Schleppleine führte, dann bewegte er sich sicherer, er schnupperte mehr, nahm mehr von der Umwelt war und war agiler. Klickt ich die Leine ab, um ihn frei laufen zu lassen, dann klebte er mir am Bein, schnupperte nicht mehr, und lief mir an der Hacke nach. Dadurch dass er eben altersbedingt kaum noch sieht und hört, ist dieses „ich habe grade keinen Kontakt zu meinem Herrchen“ ein Stressor für ihn, den er einfach nicht hat wenn er mich durch die Leine fühlt. Also zog ich für uns die Konsequenz: es wird angeleint gegangen, langsam, damit er die Umwelt geniessen kann. Spazieren stehen nenne ich das gerne. Auch wenn ich es natürlich selber toll finde etwas schneller zu gehen, bin ich das meinem Hund eben einfach schuldig. Ich bin für ihn verantwortlich und auch dafür, dass er sich wohl fühlt.

Auch habe ich meinem Senior für die kälteren Tage einen schönen, warmen Hundemantel gekauft. Warum? Na ganz einfach. Ältere Hunde haben nicht mehr diese Kältekompensation wie junge Hunde. Sie werden anfällig an den Nieren und haben oftmals Rückenprobleme. Bei Nieren und/oder Rückenproblemen ist Kälte genau das Falsche. 
Also bin ich von meinem „Männerstandpunkt“, der sehr oft in der „Rudelführerszene“ vertreten wird abgewichen und gehe bei allen Temperaturen unter 10 Grad mit einem kleinen bemantelten Terrier durch die Gegend. 
Dass dabei der eine oder andere denkt ich würde meinen Hund vermenschlichen, weil er einen Mantel trägt, tangiert mich nicht einmal peripher. Warum sollte es das auch? Zeugt es doch nur von Unverständnis.

Und einen tollen Nebeneffekt hat das Mäntelchen auch noch. Mein Senior sieht damit aus wie ein kleines, unglaublich süsses Gürteltier.

So sehr einem das Herz bei zuckersüssen Welpen auch aufgeht, mir ja auch, so sehr erwärmt es mir das Herz, wenn ich merke dass Hunde glücklich und würdevoll alt werden dürfen. Und alte Hunde sind übrigens auch unfassbar Zucker 🙂 
Betrachtet euch einfach mal genau die süssen Gesichter euerer Grauschnäuzchen.

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